![]() |
|||||||
Aus: ”Neue Strategien in der Architektur" Vortragsreihe FH Düsseldorf”, von Joana Skoberla und Janina Jäkel Wolfram Popp gehört zur jüngeren Generation der Architekten in Berlin. Seine Herangehensweise an die Arbeit zeigt sich schon in seiner Biographie. Von der Fotographie kommend prägte vor allem sein Selbststudium seine Einstellung zum Beruf. Selbständiges Denken und Arbeiten, sich Dinge auszudenken, sind für ihn von großer Bedeutung. Er geht unkonventionelle Wege, so dass er nicht dem Bild des Architekten im herkömmlichen Sinn entspricht. Er ist ein Allrounder, jemand der gerne alle Fäden in der Hand behält, um sich so seinen Aktionsradius zu erhalten. Das sieht man vor allem an der Umsetzung eines seiner letzten Projekte. Popp kaufte das Grundstück für seinen Wohnungsbauentwurf (Choriner Str.56) selber und verkaufte dann das noch ungebaute Gebäude. Dadurch freier konnte er seine Ideen optimieren und nach seinen Vorstellungen mit der Architektur umgehen. Sein Wunsch sich nicht den Normen der z. Zt. vorherrschenden Baukultur zu unterwerfen, führte dazu, dass er sich diese eigenen Arbeits- und Verwirklichungsebenen schaffen musste. Die heutzutage stark formalisierten Arbeitsbedingungen, bei denen sich viel auch um die Vorstellungen der Bauträger dreht, lässt den Architekten austauschbar werden. Die Allianz von Architekt mit Bauträger ist für Popp ein Symptom des mangelnden Selbstwertgefühls in den Kreisen seiner Berufsgruppe. Der allgemeinen Ohnmacht und Ratlosigkeit hält er die Meinung entgegen, eigene Annahmen treffen und darstellen zu müssen, sich selbst neue Aufgaben zu suchen, für die man selbst verantwortlich ist. Sich verständlich zu machen, aber diskussionsbereit zu sein und im Endeffekt hinter dem zu stehen, was man gemacht hat, sind für Popp wichtige Kriterien. Dem entgegengesetzt sind Spezialisierung, Zwang und Anpassung für ihn nicht notwendig fürs Arbeiten. Eher fordert er dazu auf, sich als Architekt nicht beschränken zu lassen , Gegebenheiten nicht hinzunehmen und sich durch das Hinterfragen gedankliche sowie gestalterische Freiräume zu erschaffen, so dass sich die Architektur den Nutzungsmöglichkeiten anpassen kann. Das ist für Popp von besonderer Bedeutung, da er Architektur nicht als zielorientiertes Normbauen begreift, sondern als situatives Bauen, d.h. das Schaffen eines Raumes, bei dem bedacht wird, welche Situationen für bzw. bei den Nutzern möglich sein könnten und auf den deshalb möglichst viele, unterschiedliche Raumkonzepte anwendbar sind.Diese Sowohl-als-auch-Architektur soll dem Nutzer die Möglichkeit geben, sich eine Identifikation, ein Selbstwertgefühl in seinem Raum aufzubauen. Daran sieht man, dass sich Architektur für Popp nicht nur im konstruktiven, sondern auch im kognitiven, sozialen Raum bewegt. Für ihn bedeutet Architektur das Verhältnis des Raumes zum Selbst und zum Anderen. D.h., dass Architektur auch immer Interaktion ist, ob es nun in der Auseinandersetzung über einen Entwurf mit Bauverwaltung, Bauträgern oder Studenten oder das direkte Erleben im Wohnen ist. Es ist für ihn wichtig, dass Wohnen nicht als etwas Abstraktes, sondern als etwas Präsentes begriffen wird. Die Präsenz äußert sich für ihn darin, dass kein "Erziehungsprogramm" zum Verständnis mitgeliefert werden muss, da jeder die Idee von selbst versteht. Die Kraft des Raumes soll aus seiner Selbstverständlichkeit entstehen, jedoch nicht dem Bewohner seine Selbstverständlichkeit aufzwingen. Die Einbeziehung aller beteiligten Personen und Vorgänge ist für ihn auch beim Entwerfen von Bedeutung. Alles ist beim Entwerfen gleichzeitig 1:1 präsent. So wie Bewohner und Raum für ihn verwoben sind, greifen auch das Arbeiten am Konzept und gestalterischen Entwurf ineinander. Dabei zählt jede Idee, da man sich durch "die" Idee einschränken lassen würde. Konzept und Entwurf wirken aufeinander ein und bleiben flexibel, lassen neues entstehen und werden als Idee zur Diskussion gestellt, werden modifiziert und ergeben ein neues Bild. Von daher wird kein Entwurf "umgesetzt", da dies das Ende des Entwurfprozesses implizieren würde. So bleibt das Bauen für Popp eine immer fortschreitende Ideenentwicklung, die keine Strategien beinhaltet, wie man mit Architektur umzugehen hat, sondern die eine Haltung gegenüber und im Umgang mit Architektur widerspiegelt. Text: Joana Skoberla und Janina Jäkel |
||||||||